Diskussionen rund um den Palettentausch
Das wohl bekannteste und am weitesten verbreitete Modell im Paletten-Handling ist der Palettentausch, der allerdings in letzter Zeit heftig ins Kreuzfeuer der Kritik geraten ist, da viele Unternehmen über enorm gestiegene Kosten klagen. Aus diesem Grund gab der Deutsche Speditions- und Logistikverband (DSLV) beim Fraunhofer Institut für Materialfluss und Logistik in 2009 eine Studie in Auftrag, die die tatsächlichen Kosten des Palettentauschs ermittelt und die effektiv anfallenden Kostenblöcke für Versender, Spediteure und Empfänger transparent gemacht hat. Wichtigste Ergebnisse: Bei einem einzigen Palettentausch-Vorgang fallen Kosten von bis zu 3,00 € an, bei einem kompletten Umlauf einer Palette liegen sie sogar zwischen 3,81 € und 4,96 €. Hauptkostentreiber sind hierbei in erster Linie die enormen Verwaltungskosten sowie die Kosten für Schwund, Diebstahl und Reparatur der Paletten.
Darüber hinaus wird in der Logistikbranche heftig gestritten, ob das Tauschverfahren an sich heute noch zeitgemäß ist, weil sich die Logistikprozesse und die Anforderungen in den letzten Jahren komplett verändert haben: So macht die zunehmende Globalisierung den Zug-um-Zug Tausch von Paletten im internationalen Speditionsverkehr nahezu unmöglich. Auch Leerfahrten zum Ausgleich von Palettenfehlbeständen können sich viele Speditionen nicht mehr leisten, da diese Zusatztransporte die ohnehin knappen Margen aufzehren. Im Hochregallager dürfen nur neuwertige und qualitativ einwandfreie Paletten zum Einsatz kommen, damit eine ausreichende Sicherheit und ein störungsfreier Betrieb gewährleistet sind. Auch dies kann beim klassischen Tauschgeschäft häufig nur schwer oder gar nicht gesteuert werden.